"Suchen Sie Ihren Südpol!"

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Holz hacken statt reden:
wie Abenteurer und Autor Erlind Kagge im lauten Alltag Stille findet.
 
 
“Es fällt uns schwer, gar nichts zu tun. Wir finden es auch schwierig, mit anderen Menschen zusammen zu sein und nicht zu reden. Das ist zutiefst menschlich. Zutiefst menschlich ist aber auch unser Bedürfnis, ab und zu zur Ruhe zu kommen.”
“Lärm ist für mich nicht Krach im engeren Sinne, sondern alle Arten von Ablenkung: Handy, Fernsehen, Radio, das ständige Grübeln über die Zukunft und die Vergangenheit, die tägliche Routine, die Abhängigkeit vom Urteil anderer. Die Art von Stille, die ich meine, bedeutet, dass man sich für ein paar Minuten, Stunden, Tage nicht ablenken lässt und nicht herumgrübelt. Es ist schwer, gar nicht zu denken, aber man kann weniger denken. Vielen Leuten hilft bei der Suche nach innerem Frieden eine handwerkliche Tätigkeit, Stricken zum Beispiel, Holzhacken oder Bierbrauen. Kleine, ruhige Alternativen, denen man allein nachgeht, die etwas Meditatives bergen und für die man keine Erklärung abgeben muss.”
 
“Mich interessiert die Frage, wie man es schafft, Stille dort zu finden, wo man gerade ist, inmitten der täglichen Routine. Nicht leicht zwischen Job und Familienleben. Deswegen muss man jede Gelegenheit nutzen, einfach mal nicht darüber nachzudenken, was noch alles zu tun ist. Entspannen. Das funktioniert. Überall.”
 
“Der stillste Ort, an dem ich jemals war, war der Südpol. Dort gibt es keine von Menschen erzeugten Geräusche.
Nur ohrenbetäubende Stille.”
Auszüge aus einem Interview mit Barbara Jung-Arntz/FOCUS
 
Erlind Kagge, 54, studierte Jura und Philosophie. In den 90er-Jahren war der Norweger der erste Mensch, der die “drei Pole” erwandert hat: Nordpol, Südpol, Mount Everest.
Gerade ist sein Buch “Stille” erschienen. Er lebt und schreibt in Oslo.
 
Bildquelle: Privat/Hallkrimskirkja, Reykjavik/Island