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Liebe S., 
 
es ist Abend und die Luft riecht feucht und kühl und würzig. Vollkommen still ist es, nur das Schnauben der Kamele höre ich von Zeit zu Zeit. Du fragst dich, wo ich bin? Auf der unglaublichsten Reise, die ich je begonnen habe.
Ich folge dem Stern. B.und M. an meiner Seite. Wir sind einfach aufgebrochen – wider alle Vernunft. Das muss verrückt klingen. Ich finde mich selbst verrückt. Wenn die Leute mich fragen, wohin wir wollen, dann sagen wir, dass wir den neuen König suchen. Wir sind auf einmal Utopisten, Visionäre, wir haben weder Beweise noch Garantien in der Hand. 
Wir werden angezogen von einem, dessen Namen wir nicht mal kennen. Es ist ein großes Abenteuer. Aus den alten Schriften habe ich mir eine Prophezeiung herausgeschrieben: »Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht«, heißt es dort. Sag selbst: Klingt das nicht schön?
Ich habe beschlossen, das Ganze wie eine mathematische Frage zu behandeln. Probehalber gehe ich von der Annahme aus, es könnte wahr sein.
 
Du hörst von mir. Versprochen.
 
Dein C.
 
 
 
 
aus ”Der andere Advent”
 
Bildquelle: Markus Spiske